2. Eine Folge von Übergängen - Das Leben

Entwicklungsaufgaben Das Ende der Kindheit Die Entwicklung der Selbstständigkeit Der Übergang um die Dreißig – Die Anfängerzeit des Erwachsenseins Die Krise der Lebensmitte Vom Unternehmer in eigener Sache zum „Wald-Menschen“ Die Herausforderungen der zweiten Lebenshälfte Übergang, Beziehungen und Resonanz


Entwicklungsaufgaben

Welches Lebewesen geht auf vier Füßen am Morgen, auf zwei am Mittag und auf drei Füßen am Abend und hat doch nur eine Stimme? Das Rätsel der Sphinx Der Mensch. Ödipus

Hier werden die Übergänge für unterschiedliche Lebensspannen und die damit verbundenen Entwicklungsaufgaben betrachtet, die sich in den jeweiligen Phasen dieser Reise stellen. Mit Entwicklungsaufgaben werden die speziellen Herausforderungen bezeichnet, die für einen bestimmten Lebensabschnitt kennzeichnend sind.

Dem Rätsel der Sphinx zufolge gibt es zwei grundlegende Wendemarken im Leben: Die erste markiert den Übergang hin zu dem Punkt erstmals „auf eigenen Füßen zu stehen“, d.h. den Übergang von der Abhängigkeit (von den eigenen Eltern) hin zu der Fähigkeit, für sich selbst zu stehen (selbst-ständig) und damit der eigenen Unabhängigkeit. Die zweite Wendemarke stellt den Übergang dar, der sich irgendwann einmal am „Nachmittag“ eines Lebens einstellt, und der durch den Stock oder Stab, der dritte Fuß im Rätsel des Ödipus symbolisiert wird.

Die Vorstellung, mit ihrer Betonung lebenslanger Entwicklung und der Unterstellung, Probleme seien oftmals Signale innerhalb von Übergangsprozessen, läuft den Ideen einer modernen, mechanistischen Sichtweise zuwider. Wir denken über Menschen wie über Autos: Ausstattung, Funktion - und unglücklicherweise Zerfall. Menschliche Entwicklung als mechanische Produktion. Veränderungen, die sich einstellen, werden in diesem Modell häufig als Fehlfunktionen gesehen, die einer Reparatur bedürfen.

Ent-Wicklung (meint sich entfalten) ist ein kontinuierlicher lebenslanger Prozess. Im Gegensatz zur Welt der technischen Produkte, wo aus einem VW eben auch nach fünf Jahren kein Mercedes wird, sondern eher vielleicht sogar Schrott, gehören Metamorphosen zur Welt der lebendigen Wesen.

Auch wenn es keine für alle gültige, gesetzmäßige Chronologie von Ereignissen gibt, so wird man doch Hinweise auf eine bestimmte Abfolge auch in der eigenen Lebensgeschichte finden, wie sie hier im folgenden exemplarisch dargestellt werden soll.


nach oben

Das Ende der Kindheit

Mit dem „Ende der Kindheit“ wird ein erster wichtiger Wendepunkt im Leben erreicht. Fragen Sie sich einmal, was bei diesen Worten an Bildern, Empfindungen o.ä. in Ihnen nachschwingt?

Die traditionellen Stammesgesellschaften in früheren Zeiten gaben diesem Übergang eine große Bedeutung. (Auch bei vielen sog. Naturvölkern ist dies in der heutigen Zeit noch immer so.) Sie verdichteten den gesamten über einen längeren Zeitraum laufenden Reifungsprozess an seinem Ende zu einem einprägsamen Ereignis und nutzten dieses Ereignis, um die Transformation eines jungen Menschen von der kindlichen Abhängigkeit in die Unabhängigkeit als junger Erwachsener in Szene zu setzen. Sie gaben damit diesem Entwicklungsschritt einen tragenden Rahmen mit einem bestimmten Ende und erleichterten ihn damit.

Diese jeweils individuelle, eigene Erfahrung mit dieser Transformation kann für den oder die Betreffenden für alle künftigen Übergänge im Leben stilbildend sein. Da es den modernen Gesellschaften an formellen Übergangsriten und den Betreffenden an einer Anleitung in dieser Hinsicht mangelt, ist es nicht verwunderlich, dass das grundlegende Muster oder Elemente dieser Erfahrung immer wieder im Laufe des Lebens auftauchen. Ohne Anleitung ist es sehr viel schwieriger, den Abstand einnehmen zu können, der notwendig ist, um überhaupt die dahinter liegenden Muster erkennen und die Phänomene der Beunruhigung einzuordnen zu können. Und ohne diese Möglichkeit, Erfahrungen einordnen zu können, müssen diese sich unter Umständen immer wiederholen.

In traditionellen Gesellschaften wurde die neue Identität durch den Status, den Clan oder auch den Ritus selbst vorgegeben, wenn ein spiritueller Führer, ein Ahne oder Guru einem Menschen einen neuen Namen gab und damit ein neues Gefühl der Identität und Zugehörigkeit. Erik Erikson, Psychoanalytiker, der 1966 sein Modell der Entwicklung der Identität eines Menschen veröffentlichte, beschreibt wie dieser Prozess des Herausbildens einer neuen Identität in der Jugend abläuft, wenn ein Mensch verschiedene Rollen erprobt und mit unterschiedlichen Beziehungsformen umgeht: Tochter, Sportlerin, Freundin, Wagemutige, Schüchterne … Aus diesem Potpourri von Identitäten muss sich ein kohärentes Gefühl für das eigene Selbst heraus formen. Dies ist die Entwicklungsaufgabe in dieser Phase des Lebens. Identität meint hier das, was das Eigentümliche eines Menschen ausmacht, das was ihn von allen anderen unterscheidet, bzw. ihn mit allen verbindet.

Jede Phase des Lebens stellt Menschen vor vergleichbare Aufgaben und ein nicht gelungener Übergang in die nächste Phase bedeutet, die Dinge in die nächste Phase mitzunehmen, die noch nicht erledigt sind. Das heißt, immer wenn wir vor einem neuen Übergang stehen, tauchen einige dieser alten ungelösten Identitätsaspekte wieder auf.

nach oben

Die Gründung einer eigenen Selbstständigkeit

Der nächste wichtige Übergangspunkt eines Lebens liegt für die meisten Menschen um den Zeitpunkt herum, wenn man sein Elternhaus verlässt, seinen eigenen Haushalt begründet und damit auch den äußeren Schritt in die eigene Selbstständigkeit geht.

„Auf sich gestellt sein.“ Welche Erinnerungen, Bilder, Sätze und Empfindungen verbinden sich für Sie mit dieser Redewendung? Sind Sie eher früh oder eher spät selbstständig geworden? Gibt es ein Erlebnis, das Sie damit verbinden und das für Sie den Eintritt in die Selbstständigkeit markiert?

Die Erfahrungen der Menschen sind hier sehr unterschiedlich. E. Erikson spricht davon, dass die hauptsächliche Entwicklungsaufgabe dieses Lebensabschnitts darin besteht, stabile, neue Beziehungen einzugehen und dadurch nach der frühen Eltern-Kind-Beziehung weitere Beziehungsformen zu entwickeln: Nach seinem Platz im Leben zu suchen, einschließlich dessen, Erfahrungen damit zu sammeln, Verpflichtungen und Beziehungen einzugehen.

Manche sind eher Nestflüchter, andere eher Nesthocker. Einige bewegen sich an diesem Punkt schnell, andere eher langsam. Auch hier gibt es nicht die eine, einzig richtige Art, sich zu entwickeln. Jede Variante hat ihren Preis und ihren Vorteil. So mögen die, die früh „ihren Platz“ gefunden haben, dies später bedauern und in einem künftigen Lebensabschnitt vielleicht den dadurch ausgeschlossenen und verlorenen Chancen nachtrauern, während die, die sich erst relativ spät in die Selbstständigkeit begeben, vielleicht feststellen, dass Ihnen manche Möglichkeiten nicht mehr zur Verfügung stehen.
nach oben

Der Übergang um die Dreißig – Die Anfängerzeit des Erwachsenseins

Beide Gruppen neigen dazu, sich mit solchen Gedanken zu beschäftigen, wenn sie die Dreißig erreichen. Levinson nennt dies die „Alter-Dreißig Transition“. Gould stellt in diesem Lebensabschnitt einen wachsenden Realismus des Menschen bezüglich sich selbst heraus und nennt dies die Zeit einer „Öffnung nach innen“.

Dies kann der entscheidende Übergang in einem Lebensweg sein. Was immer jemand vorher getan haben mag, es scheint nicht mehr das Richtige oder Passende zu sein. Zweifel können die Dreißiger zu einer schwierigen Zeit machen. Es ist oftmals der erste Übergang nach dem selbstständig werden (leaving home), bei dem der Betreffende tiefe Zweifel bezüglich der eigenen Zukunft hegt. Es kann auch eine einsame Zeit sein, weil die Menschen, mit denen man seine persönlichen Probleme besprechen würde, genau die sind, die Teil des Problems sind und derentwegen diese Zweifel bestehen.

Die Entwicklungspsychologin Charlotte Bühler, deren Forschungsarbeiten allerdings aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts stammen, fand bei ihren Analysen einer großen Zahl von Biografien heraus, dass lang dauernde, stabile Beziehungen oft erst mit um das dreißigste Lebensjahr eingegangen wurden. Der Sozialpsychologe Daniel J. Levinson nennt die Zeit zwischen zweiundzwanzig und dreiunddreißig Jahren die Anfängerzeit des Erwachsenseins.

In dieser Zeit verbinden sich mit Übergängen bestimmte Befürchtungen und schmerzliche Erfahrungen, denn sie scheinen uns wieder in alte Abhängigkeiten zurückzuführen, die wir glauben, gerade erst hinter uns gelassen zu haben: Nach einer Trennung zurück zu Mutter oder das Eingehen einer Beziehung als neue Abhängigkeit. Diese Empfindungen sind ein Hinweis darauf, dass in einem Leben immer wieder natürliche und periodische Zeiten der Neuanpassung und erneuerter Festlegungen geschehen. Erst am Ende dieser „Anfängerzeit“ des Erwachsenseins werden häufig Arrangements getroffen, bzw. haben sich Strukturen gebildet, die für die Einzelnen lange oder länger Bestand haben. Die Betreffenden kennen jetzt die wichtigsten Spielregeln und beginnen, ein Gefühl für das zu entwickeln, was sie jeweils gut können und was Ihnen vielleicht nicht so gut liegt.

Die Art, wie dieser Übergang angenommen und verarbeitet wird, der durch Selbstzweifel und Verunsicherungen angestoßen wurde, kann den gesamten, weiteren Lebenslauf beeinflussen. Die Auseinandersetzung mit ihnen kann jedoch zu einem klareren Gespür für die eigene Ausrichtung führen, manchmal auch zu einem bestimmten Ziel, zu einem Anspruch oder einem Vorhaben, das diese Richtung verkörpert. Die Dreißiger können die Zeit in einem Leben sein, in der jemand auf eine für ihn selbst neue oder andere Art eine Engagement und eine Beteiligung an dem entwickelt, was Levinson den eigenen „Stamm“ nennt, d.h. die soziale Gruppierung, die eine besondere Bedeutung für den Betreffenden hat.

Entscheidet sich jemand im Gegenteil dazu, die mit dem Zweifel verbundenen inneren Anstöße zu einer Veränderung zurückzudrängen, wird er oder sie sich damit ungewollt auch von den Möglichkeiten der eigenen Weiter-Entwicklung abschneiden, die durch diesen Übergang gegeben sind. Auf kurze Sicht betrachtet, ist dies vielleicht sogar von Vorteil, in dem man sich die zeitraubenden Wechsel und damit verbundenen inneren Neuorientierungsphasen erspart, die die durchleben müssen, die sich darauf einlassen. Auf lange Sicht verliert man dadurch jedoch, weil man in seiner persönlichen Entwicklung stehen bleibt.

Nach dem Übergang in den Dreißigern kommt für einen Menschen die Zeit, in seinem „Stamm“ als volles Mitglied integriert zu sein unter den Bedingungen, die er wiederum akzeptieren kann. Er hat damit die eigene Nische gefunden und ist sesshaft geworden.
nach oben

Die Krise der Lebensmitte

Der nächste Übergangspunkt, um die Vierzig, ist auch bekannt geworden als die Krise der Lebensmitte und wird vielleicht ein bisschen überschätzt, da sich im Erwachsenenalter immer wieder Potenziale in einem stetigen Wechsel von Erweiterung und Rückzug, von Veränderung und Stabilität entfalten.

In der Familienchronologie ist vierzig einerseits ein Neubeginn, die Kinder sind erwachsen, der Hund ist tot, wie ein Witz sagt, andererseits rücken die Vierziger auch einen Platz weiter und kommen damit einem Ende näher, das sich darin zeigt, dass die eigenen Eltern alt werden und der Sorge bedürfen.

Die Übergänge in dieser Periode hängen häufig weniger von der persönlichen Initiative des Betreffenden ab, sondern sind viel häufiger eine Folge der Handlungen anderer, z.B. von der Entscheidung eines Kindes, das Elternhaus zu verlassen und einen eigenen Hausstand zu gründen. Längst nicht jeder hat das Gefühl, dass sein Leben mit vierzig zum Stillstand kommt. Sehr viel häufiger gibt es ein Empfinden, dass das Leben sich über einen längeren Zeitraum zwischen alternierenden Phasen von Stabilität und Veränderung bewegt.

Die „Mid-life“-Krise bringt meist auch nichts völlig Neues, sondern vermischt vielmehr alte mit neuen Themen. Einerseits sind die Umstände des Lebens in dieser Spanne in der Regel bequem und manchmal sogar ganz viel versprechend, andererseits fehlt ihnen manchmal gerade deswegen der Sinn oder eine Bedeutung, die sie reizvoll erscheinen lassen, weil sie nur mehr von dem, was man schon kennt, erwarten lassen.

Vielleicht ist es das, weshalb viele sich jetzt der Träume ihrer Jugend gewahr werden, und sich fragen: Soll es das jetzt gewesen sein? Ist es das, was ich immer erreichen wollte? Und immer dann, wenn sich diese Fragen nicht überwiegend positiv beantworten lassen und das ist beinahe zwangsläufig um diese Zeit herum der Fall, sieht man sich selbst mit all den „niemals, nie wieder“ oder „Aus, vorbei“ konfrontiert: „Ich werde niemals ein großer ... werden.“ Diese Erkenntnis mag ernüchternd sein, aber gerade dadurch öffnet sie manchmal die Tür in Richtung ganz neuer Aktivitäten, die bisher gar nicht im Bereich des eigenen Spektrums schienen, weil sie nicht beachtet wurden, so lange man noch unter dem Diktat der alten Träume stand. Viele entdecken ihre eigentliche Berufung erst mit fünfzig.
nach oben

Vom Unternehmer in eigener Sache zum „Wald-Menschen“

Alte, tradierte Vorstellungen des Lebenszyklus, wie beispielsweise im Hinduismus, sehen einen weiteren wichtigen Übergangspunkt um die Zeit, in der ein erstes Enkelkind zur Welt kommt. Dann, so die Vorstellung, sei der Mensch bereit für einen weiteren Wandel: die Veränderung vom Unternehmer seines eigenen Lebens hin zum „Eremiten im Wald“ (Forest-Dweller), wie es in den alten Texten heißt.

Diese Veränderung beinhaltet, sich von der Welt des Tagesgeschäfts abzuwenden, der Orientierung an Zielen und Effizienz, des Getriebenseins und der Äußerlichkeiten und sich hinzuwenden zur „Einsamkeit des Waldes“ für eine Zeit der Reflexion und des Studiums. Andere beschreiben dies als den Beginn des "Handelns ohne Absicht". Man tut weiter, was man sowieso macht, aber agiert nun ohne von Ehrgeiz, Suche nach Anerkennung und Erfolg o. ä. getrieben zu sein. Die Zufriedenheit kommt aus dem Handeln alleine.

Dieser Übergang in der zweiten Hälfte unseres Lebens steht für einen Übergang in etwas hinein, nicht aus etwas heraus. Er entspricht inneren Entwicklungsprozessen: Einem wachsenden Bemühen um Bedeutung und Sinn und dem Verlust von Interesse an simplem Erfolg.

Die Übergänge am Nachmittag eines Lebens werden häufig in einem Zusammenhang mit den physischen Alterungsprozessen gesehen. Aber dieser Wandel ist umfassender, er hat einen Zweck und ist damit vergleichbar der Entwicklung der Identität durch die Übernahme sozialer Rollen und das Eingehen relativ stabiler zwischenmenschlicher Beziehungen im Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen.

Dieser Übergang vom Morgen zum Nachmittag des Lebens ist auch Teil des Mythos des Odysseus, des griechischen Helden Homers. Seine Heimreise ist gekennzeichnet durch einen stetigen Prozess von Verlusten. Der König und Held, als der er seinen Weg beginnt, endet hilflos, wie ein Kind, im Wasser treibend auf einem Stück Treibholz. Im übertragenen Sinne verliert er mit seinem Schiff, seinen Waffen, seinen Gefährten, jeden Rückhalt und jede Unterstützung, auf die er sich bis dahin verlassen konnte. So fundamental und schmerzlich dieser Verlust für ihn auch ist, er schafft erst die Voraussetzungen dafür, sich selbst auf eine neue Weise zu verstehen. Am Ende gibt er sogar seine Identität als König auf und nimmt die eines Bettlers an, um wieder zu Hause anzukommen.

Dies ist der Punkt, an dem Held aufhört, Drachen zu töten und beginnt, den Drachentöter in sich selbst zu töten.
nach oben

Die Herausforderungen der zweiten Lebenshälfte

Die Herausforderungen der zweiten Lebenshälfte sind dreierlei: Erstens müssen wir die Art, wie wir die Lebens-Aufgaben in der ersten Lebenshälfte angegangen sind, verlernen. Zweitens müssen wir unseren eigenen Sehnsüchten widerstehen, unsere Entwicklungsreise aufzugeben und die Einladungen ausschlagen, an einem irgendwie verführerischen und bequemen Ort stehen zu bleiben. Und drittens geht es darum, zu akzeptieren, dass es wirklich Kraft und Mühe kostet, zu sich selbst zu kommen.

Die Übergänge der zweiten Lebenshälfte bieten eine besondere Gelegenheit, mit den sozialen Konditionierungen zu brechen, die uns bis dahin Erfolg gebracht haben und etwas wirklich Neues und Anderes zu beginnen. Altern wird damit keine Abwärtsspirale, sondern eine für jeden einzigartige Reise.

Jeder Übergang, was auch immer er uns gibt oder nimmt, bringt uns an einen bestimmten Punkt unseres Lebens. Sie können sich fragen, wie unterscheiden sich die Übergänge am Beginn meines Lebens von denen in den späteren Jahren? Was würden Sie sagen, ist ihr eigener natürlicher Lebensabschnitt? Wurden Sie geboren, um siebzehn oder siebzig zu sein? Sind sie ein ewiger 25- Jähriger und warten immer noch auf ihre Eintrittskarte für die 50er. Welcher ihrer Übergänge hatte die größte Bedeutung für ihr Leben bis heute? Wie sähe eine Chronik ihrer eigenen Erfahrungen mit Übergängen aus?

Erstellen Sie eine Liste dieser bedeutungsvollen Übergänge. Was können Sie über die Entwicklungs-Herausforderungen sagen, die jeweils daran beteiligt waren? Worin haben sie sich unterschieden und was war gleich? Vielleicht führt es Sie zu neuen Ideen, wenn Sie ihre eigene Entwicklung mit der ihres Elternteils gleichen Geschlechts vergleichen. Vielleicht gibt es da Parallelen, ähnliche Meilensteine, Umwege oder Wege. Ihre eigenen Übergänge mit denen ihrer Eltern zu vergleichen, kann sehr interessant sein, weil sich darin unter Umständen eine Art „Programmierung“ zeigt, die viel mit ihrer Loyalität und Treue zu tun hat und nicht unbedingt etwas mit ihren eigenen Vorstellungen von ihrem Leben.

Denn jeder von uns befindet sich auf einer einzigartigen Reise mit einem Ticket auf dem steht: Gültig nur für diesen Trip! – Nicht übertragbar.

Das Rätsel der Sphinx zu Beginn dieses Abschnitts thematisiert metaphorisch die zwei wichtigsten Übergänge im Leben. Zum einen den von einem abhängigen Wesen in einen unabhängigen Menschen, der ein eigenes Selbst-Bild und einen eigenen Stil entwickelt und zum anderen den zweiten Übergang später im Leben, bei dem eben dieses Selbst-Bild und der persönliche Stil das weitere Wachstum behindert und der Betreffende sich mit dem langen, langsamen Prozess konfrontiert sieht, darüber hinaus wachsen zu müssen.
nach oben

Übergang, Beziehungen und Resonanz

Übergänge sind nicht die Sache von Einzelnen. Die sozialen Beziehungen, in denen wir leben, sei es die Familie, die Partnerschaft, die Arbeitsgruppe, der Freundeskreis, sie alle geraten in Schwingung oder Resonanz, wenn eines ihrer Mitglieder einen Entwicklungsprozess durchlebt. Auf die gleiche Art, in der eine Saite eines Musikinstrumentes mitschwingt, wenn eine andere angeschlagen wird, zeigen Menschen Resonanz, wenn andere in ihrem persönlichen Umfeld sich verändern. So bringen Veränderungen eines Familienmitgliedes möglicherweise ähnliche Themen bei anderen Familienmitgliedern „zum Schwingen “.

Diese Resonanz zwischen Partnern und den Kindern ist dann besonders ausgeprägt, wenn alle Parteien oder auch nur zwei zur gleichen Zeit an Übergangspunkten ankommen, wobei diese für ihr Leben jeweils unterschiedliche Form oder Inhalt annehmen können: z.B. die Tochter, die gerade erste Beziehungserfahrungen macht, und die Mutter und, die sich in einem Übergang befindet, was ihre eigene Beziehung anbetrifft, während der Partner und Vater sich gerade beruflich neu orientieren muss.


nach oben


Weiter zum nächsten Abschnitt

Zurück zum vohergehenden Abschnitt

Weiter zum nächsten Abschnitt

Zurück zum vohergehenden Abschnitt