Übergänge - notwendiger Teil des Lebens

Vorbemerkungen




Wandel ist ein stetiger Begleiter in unserem Leben. Die damit verbundenen Übergänge von "alt" zu "neu" oder von "vorher" zu "jetzt" folgen bestimmten Mustern. Diese Muster von Übergängen und die damit verbundenen Phänomene werden hier beschrieben. Das Verstehen dieser Prozesse kann in einem bestimmten Umfang hilfreich sein, die Übergänge selbst mitgestalten zu können. (s.a. William Bridges: Transitions. Making Sense Of Lifes Changes.)

Übergänge bringen Veränderungen mit sich, sind aber mehr und anders als reine Weiterentwicklungen des Bestehenden. Übergänge kennzeichnen im Leben Vorgänge des Wandels, die einerseits häufig durch den Verlust oder das Verlassen, das Loslassen und die Abkehr von Etwas gekennzeichnet sind. Erst damit werden die Voraussetzungen für das Entstehen von Neuem geschaffen. Im Unterschied dazu stehen Veränderungen, die "nur" eine Anpassung an Bestehendes oder eine Verbesserung (möglicherweise auch Verschlechterung) im Hinblick auf etwas mit sich bringen. Alle Anstregungen etwas oder sich selbst zu optimieren gehören in diese Kategorie. So kann man beispielsweise den Wechsel in einen neuen Beruf als Wechsel verbunden mit einer Übergangsphase bezeichnen, während die Verbesserung der beruflichen Qualifikationen im gleichen Beruf als eine Weiterentwicklung des Bestehenden betrachtet werden können.

Die besonderen Entwicklungsaufgaben und Anforderungen, die Übergänge mit sich bringen, werden in den drei aufeinander folgenden Phasen von Beendigung des Alten, der neutralen Zone (oder dem Dazwischen) und dem Beginn des neuen Musters dargestellt. Unter einer Entwicklungsaufgabe versteht man die Herausforderungen, die eine bestimmte Lebenssituation zu ihrer Bewältigung anzugehen erfordert.

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Teil I Die Notwendigkeit von Übergängen und die damit verbundenen Zumutungen


Übergänge - notwendiger Teil des Lebens

Veränderungen sind mit allen Prozessen des Lebens unlösbar verbunden, sie sind geradezu ein Merkmal des Lebens selbst. Dies allein schon deshalb, weil alles , was geschieht, in der Zeit geschieht. Stillstand bedeutet demgegenüber in der Regel den Verlust von weiterer Entwicklung und am Ende den Tod. So kann man denn auch eine Quelle für das Entstehen von Problemen häufig in Starrheit und dem Festhängen an Altem sehen. Veränderungen sind selbst da notwendig, wo es um die Aufrechterhaltung des Bestehenden geht: Man muss sich schon ganz schön verändern, um der Gleiche bleiben zu können.

Übergänge vom Alten zum Neuen sind Teil jeder Veränderung und jeden Wandels. Sie markieren wichtige Wendepunkte auf dem Weg zu persönlichem Wachstum in einem Prozess von Verlieren, bzw. Loslassen alter Orientierungen und dem sich wieder neu orientieren. Als eine Art Scharnier fungieren sie zwischen Altem und Neuem und gehören weder ganz zum einen noch zum anderen. In der Natur beinhaltet Entwicklung Ruhephasen, periodische Beschleunigungen, Sprünge und Transformationen. Lange passiert scheinbar nichts, während die Entwicklung im Inneren oder verborgen verläuft und plötzlich bricht die Schale des Eies, beginnt der Zweig zu sprossen oder löst sich das Blatt vom Baum und macht den Weg frei für etwas ganz Neues. Die Natur ist voll von solchen Beispielen.

Auch wenn es nicht so offensichtlich ist wie in der Welt der Federn und Blätter, die Funktion von Übergangszeiten im menschlichen Leben ist ähnlich. Das Verständnis der Dynamik von Übergängen und ihrer Dramaturgie ist damit auch der Schlüssel zu einem Verstehen der natürlichen Prozesse von Entwicklung und Selbsterneuerung. Dies kann zudem erleichtern, die Prozesse des Wandels, die einen Menschen fundamental erschüttern können, anzunehmen, anstatt das Unmögliche zu hoffen, nämlich von Veränderungen unbehelligt zu bleiben.

Jeder Übergang, auch Transition genannt, besteht aus den zeitlich aufeinander folgenden drei Abschnitten: Beenden, neutrale Zone und Neuanfang. Dieses Verständnis eines Übergangsprozesses richtet die Aufmerksamkeit auf die Beobachtung, dass es zwischen den zwei Abschnitten des Beendens und des Neuanfangs eine mehr oder weniger schwierige Zeit innerhalb eines Übergangs gibt, die neutrale Zone, das Dazwischen. So genannt, weil wir für diesen Teil des Prozesses gar keinen Begriff haben. Wir neigen dazu, Veränderungen als etwas Stetiges, Kontinuierliches zu betrachten, was es ja manchmal auch ist, über das wir die Kontrolle haben. Übergänge innerhalb von Veränderungen sind dagegen eher Brüche oder Sprünge in der Kontinuität unseres Lebens und unserer Wirklichkeit.

Denn nach unserer Vorstellung endet etwas, dann beginnt etwas Neues. Diese Idee, dass sich sofort etwas Neues anschließen muss, wenn etwas beendet ist, entspricht unserer mechanistischen Vorstellung, Menschen wie kleine Maschinen zu sehen und das Leben als einen stetigen Fluss. Dass da etwas ist, was nicht zu greifen ist, das sich auch nicht lenken und kontrollieren lässt, für das es keinen richtigen Namen gibt, die neutrale Zone, das Dazwischen, eine Art Leere, wobei das Alte eben noch nicht ganz abgeschlossen ist, während das Neue auch noch nicht angekommen ist, wirkt eher beunruhigend. Ein Ergebnis, das sich in experimentellen Studien, die sich mit Übergängen beschäftigen, immer wieder zeigt, ist, dass die Fehlerhäufigkeit in dieser Phase stark ansteigt.

Beispiele:

Fragen:

Zusammenfassung:

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