Neuanfänge, die verändern
Wirksame Neuanfänge beginnen in uns, auch wenn sie manchmal erst durch die Rückmeldungen aus dem Umfeld in den Fokus unserer Aufmerksamkeit geraten. Wir können diesen Prozess fördern und verstärken, aber wir können nicht zu vorher festgelegten Ergebnissen kommen. Doch wenn diese Ergebnisse einmal beginnen, Form anzunehmen, können einige Dinge getan werden.
Zu aller erst geht es darum, von dem „sich vorbereiten auf“ zum „handeln“ zu kommen. Sich vorzubereiten kann eine endlose Angelegenheit werden, die den inneren Widerstand dann eher noch weiter aufbaut. Zwar ist es auch wichtig, etwas zum richtigen Zeitpunkt zu tun oder den passenden Zeitpunkt abzuwarten, aber das bedeutet nicht, dass man seine Chancen verbessert, indem man immer weiter komplizierte Vorbereitungsschritte einbaut. Wenn die Zeit kommt, höre auf, Dich vorzubereiten, und handle!
Das zweite, das man tun kann, ist, sich selbst mit dem angestrebten Ziel des Neuanfangs zu identifizieren. Wie fühlt es sich an, wenn Du das getan haben wirst, was Du beabsichtigst zu tun? Du bist derjenige, der dies und dies tut. Die Leute sehen Dich als den, der das und das getan hat, und indem Du Dich durch ihre Augen siehst, nimmst Du wahr, was Selbst-Vertrauen ist: Zu erfahren, dass Du derjenige bist, der diese Dinge tun kann. Indem man selbst auf andere schaut, verleiht man diesen die Kraft oder Fähigkeit, Dinge zu tun, von denen man denkt, dass sie einem selbst fehlen. Dies kann man nun auf sich selbst anwenden und mit sich selbst durchspielen.
Als drittes gilt es, der Versuchung zu widerstehen, eine vermeintlich einfachere Route einzuschlagen, bei der die Dinge immer aufregend und bedeutungsvoll sind, statt das eigene Anliegen in kleinen, meist unspektakulären Schritten anzugehen. Sie sind es jedoch, die zum Ziel führen: z.B. Vereinbarungen treffen, Telefonate führen, zum hundertsten Mal die eigene Idee erklären, das sind die trivialen Dinge am Anfang, im Vergleich zu dem großen Ziel jedoch sind sie langweilig.
Sich zu sehr nur an den angestrebten Ergebnissen zu orientieren und sich dadurch zu sehr unter Druck zu setzen, kann einen Neuanfang unmöglich machen. Deshalb ist als viertes, wichtiges Element für einen Neuanfang ein Perspektivenwechsel zu beachten von der Orientierung auf das Ziel hin zu einer Orientierung auf den Prozess, das Ziel zu erreichen.
Dem entspricht auch eher die Logik des Übergangs-Prozesses selbst, der eben mehr eine Entwicklung ist und kein 3-Stufen Schalter. Auch dann, wenn der Neuanfang im Äußeren sehr schnell abläuft, läuft der Prozess der Re-Identifikation und Wiederangliederung im Inneren vergleichsweise langsamer ab. Viele alte Übergangsrituale entsprechen diesem Umstand, indem die Betreffenden in mehreren Stufen und langsam in der Zeit in ihr Dorf zurück gebracht werden.
Es ist unrealistisch einen Neuanfang wie einen Start aus den Startblöcken beim Sprint zu erwarten. Selbst wenn die äußeren Bedingungen stimmen, laufen die inneren Abstimmungsprozesse nach. Man sagt dann: „Die neue Situation ist noch ungewohnt für mich.“ Genauer müsste man sagen: „Ich glaube, ich bin noch nicht ganz der Mensch für die neue Situation, aber ich bin auf dem Weg.“ Das ist eine Zeit, geduldig und behutsam mit sich selbst, dem anderen Selbst und anderen umzugehen.
Nicht alles bleibt nach einer Beendigung hinter einem zurück, und es ist für Menschen auch wichtig, sich dessen was bleibt in ihrem Leben zu vergewissern, gerade wenn sich so viel geändert hat. Es geht, nach alldem, um ein neues Kapitel im eigenen Leben. Ich bin zu keinem anderen geworden. Der Übergangsprozess ist eine Schleife in einer Lebensreise, ein Weggehen vom Hauptstrom für eine gewisse Zeit, um dann zurückzukommen und wieder da zu sein.
In sozialer Hinsicht bedeutet dies, dass die in der neutralen Zone isolierte Person sich wieder ankoppelt und dabei ihre Einsichten und Ideen in eine Form bringt und wieder zu handeln beginnt. Der Mensch ist wieder wirklich da und lässt sich wieder auf (neue) Beziehungen oder Projekte ein. Die alten Verbindungen, die durch die Abkoppelung unterbrochen waren, können wieder neu geknüpft werden, auch wenn sie vielleicht stark verändert sind.
Psychologisch betrachtet, bringt uns dieser Prozess wieder zu uns selbst zurück, verbunden mit einer Reintegration unserer neuen Identität und Elementen unserer vorhergehenden. Diese Verbindung ist bedeutsam, um „geerdet“ zu sein und nicht „in den Wolken zu fliegen“. Wie ein Zen-Spruch sagt: „Nach der Erleuchtung kommt die Wäsche dran.“
Beendigungen und Neuanfänge, mit der Erfahrung von Leere und der Keimungszeit dazwischen: Dieses grundlegende Muster von Entwicklung in unserem Leben erkennen und nutzen zu lernen, ist von großer Bedeutung.
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